Kommt es euch auch so vor, als lebten wir in einem ständigen Kreislauf? Alles kommt zurück: verrückte US-Präsidenten, Low-Waist Jeans, die Wehrpflicht und auch Janphetamin.blogspot.com. In dieser Grundkomponente der menschlichen Erfahrung sind die Jahreszeiten eine Art Anker und der Grundkreislauf all dieser Wiederholungen und Spiralen. Im dunklen zur Arbeit und zurück zu fahren mag ermüdend sein, doch ist da die Gewissheit, dass es in einigen Monaten wieder angenehm ist, die Wäsche schnell trocknet und Regen wieder erfrischend ist.
Man könnte hieraus schon meine Meinung zum aktuellen Monat erlesen. Ich habe zumindest die spontane Inspiration bekommen, alle 12 Monate einzustufen. Unseriöse Quatschmedien haben das bereits getan, aber meine Meinung ist bekanntlich die richtige. Darum gibt es nun das ultimative Ranking aller Monate, angefangen beim schlechtesten. Vielleicht erkennt ihr ja, welche Jahreszeit mir die liebste ist.
Platz 12: Februar
Den Februar überhaupt mit einem Platz in dieser Liste zu beehren ist schon fragwürdig. Diese eisigen vier Wochen sind ein Lückenfüller, der gelegentlich verlängert wird, um die paar Stunden Unwucht bei der Sonnenumrundung unseres Heimatplaneten auszugleichen. Der nächste Bitte!
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| Der Harz im Februar 2024. Noch Fragen? |
Platz 11: Januar
Der einzige Feiertag des Januars dient der Hälfte der Bevölkerung zum Auskatern, na super. Manche Bundesländer freuen sich über die heiligen drei Könige, Niedersachsen gehört nicht dazu. Zur Ehrenrettung diesen grauen Elends trägt die ausgehende weihnachtliche Pracht in der ersten Woche bei. Ohne dieses nette erste Viertel wäre der Januar ein Februar in voller Länge. Na super.
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| Meine Göttinger Alma Mater im Januar. Eine Schneedecke macht dieses Monat in der Regel erträglicher. |
Platz 10: März
Der März ist nichts halbes und nichts ganzes, weder Winter noch Frühling. In der letzten Woche kündigt sich der Frühling an, Krokusse und Schneeglöckchen erfreuen die Seele. Aber das reicht nicht für einen Platz oberhalb des letzten Drittels. Mein Geburtstag ist zwar ganz nett, aber dieses Ranking ist selbstverständlich objektiv, weswegen ich den nur teilweise in die Wertung einbeziehen möchte.
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| Der Göttinger Zentralcampus in der letzten Märzwoche (aber nur wenn es im sog. Vormärz keinen Frost mehr gab) |
Platz 9: April
Der April ist hier, weil er meistens das Osterfest beinhaltet. Ansonsten sind die Knospen an den Bäumen und die Blüten des Frühlings ganz nett, doch erst im Mai kommt das Frühjahr so richtig zur Geltung. Das Aprilwetter wird romantisiert, meistens ist es einfach nur schlecht.
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| April im Harzvorland |
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| Die guten Apriltage können sich wie der Juni anfühlen. Leider sind die aber nur ein Viertel aller Apriltage. |
Platz 8: November
Ursprünglich wollte ich den November auf den letzten oder vorletzten Platz dieser Liste verbannen. Ich bin überhaupt erst auf die Idee für diesen Post gekommen, weil ich mich über dieses Schmuddelwetter aufregen wollte. Doch je länger ich über den November nachdenke, desto mehr kann ich seine Qualitäten zumindest anerkennen. Der November ist ein Monat, der zum Innehalten und Andenken einlädt. Es ist kein Zufall das Termine und Anlässe wie der Volkstrauertag, Allerseelen oder der Totensonntag im November begangen werden. In gewisser Weise ist er auch der deutscheste Monat, grau und ernst. Alleine über den 9. November könnte man Bücher schreiben - hat man auch. Der 9. November steht für das Scheitern der Märzrevolution, das Ende der Kaiserzeit und des Ersten Weltkriegs, den Beginn der ambivalenten Zwischenkriegszeit, die grauenhaften Novemberprogrome 1938 und die Hoffnung und Zuversicht angesichts des Mauerfalls. Ganz abgesehen davon ist Grünkohl eine super Sache und die Karnevalszeit beginnt - wer's mag.
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Typisch November ist es auch, den Monat beim Nachdenken respektieren zu können. Insgesamt ist es doch gut, dass es den November gibt |
Platz 7: August
Der Sommer auf Steroiden. Hitzewellen, Waldbrände und manche freuen sich sogar schon auf die Schule. Aber den Sommer zu lieben heißt auch den August lieben (zu müssen). Und er hat auch was, der August: verschwitzt stehe ich vorm Grill und verstehe, warum die Atzteken und die alten Ägypter die Sonne als eine Gottheit betrachtet haben. Ich muss mich manchmal dafür rechtfertigen, dass ich lieber schwitze als zu frieren. Ohne die Sonne sind wir nix. Können ca. 10.000 Jahre der sesshaften Kultur falsch liegen?
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| August im Deister, es könnte schlimmer kommen |
Platz 6: Juni
Die Aufwärmphase des Sommers, wenn die Genüsse des Mai schon vergangen oder langsam zur Gewohnheit geworden sind. Er bietet einen guten Einstieg in dem Sommer und ist oft gut mit Feiertagen und langen Wochenenden bestückt. Ich weiß nicht womit man direkt gegen den Juni argumentieren könnte, er liegt auf diesem immer noch starkem Platz, weil sein Nachfolger all seine positiven Aspekte und Freuden nochmals intensiviert.
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| Juni im Weserbergland, am saftigen grün des Junis kann man sich kaum sattsehen. |
Platz 5: Dezember
Der höchstplatzierte Wintermonat lädt zur Besinnung ein - ich bin ein Freund der Adventszeit und des Weihnachtsfests. Wer es hedonistischer mag, kommt hier aber auch auf seine Kosten: Silvester und die Feiertage laden zum Schlemmen ein. Der Dezember hat quasi sein eigenes Genre der Kulinarik. Wer bei Punsch, Glühwein oder Geflügel mit Rotkohl und Klößen beisammen sitzt, kann dem Dezember ganz bestimmt einiges abgewinnen. Lediglich das Wetter könnte besser sein, doch irgendwie passt es auch zu diesem Monat.
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| So macht man das meiste aus dem Dezember: besinnen, Heißgetränk und eine ruhige Kugel schieben. |
Platz 4: Mai
Der Mai ist der Frühling in Bestform. Es wird wirklich grün, es blüht und man hat dabei auch noch recht viel frei! Wusstet ihr, dass Himmelfahrt auf den ersten Mai fallen kann? Alle Werktätigen können diesbezüglich aber unbesorgt sein: das passiert erst 2160 wieder. Richtig gehandhabt, verwöhnt der Mai mit Köstlichkeiten wie Rhabarber, Spargel, Radieschen oder einem zünftigen Maibock zum frisch Gegrillten. Der Mai ist als Genießermonat ein Fest für alle Sinne.
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| Sogar der ramponierte Harz vermag es sich in Bestform zu präsentieren. Der Mai macht's möglich. |
Platz 3: Oktober
Was könnte besser zur Bronzemedaille passen als der Oktober. Der rötliche Monat, der oft ins Goldene übergeht. Er beglückt uns mit zwei Feiertagen (die nächstes Jahr grauenhafterweise auf den Samstag fallen!) und startet angenehm in den Herbst. Manchmal sogar mit einem letzten Aufbäumen des Sommers. Die Blätter werden bunt, der Wind ist aber noch auszuhalten. Später wird's gemütlich, andächtig und angenehm schauerig. Der goldene Herbst wird hier zwar "nur" Dritter, doch ich weiß ihn zu schätzen.
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| Ein bekennender Oktoberfan mit Gemüse der Saison |
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| Goldener Oktober in Göttingen. |
Platz 2: September
Als Lückenfüller verspottet ist der September für mich der Vizemeister unter den zwölf Monaten. Ganz ohne Feiertage schließt er die Klammer um den härtesten Sommermonat. September ist, wenn wir uns zwar einen Pulli mitnehmen, aber ihn abends doch noch nicht brauchen. Kenner (meist ohne Kinder) verreisen im September. Wer sowas wie Sommerferien hatte, ist im September noch entspannt, Klassenarbeiten gab's eher im Oktober. Wären im September schon all die Mücken tot, wäre er bestimmt mein Platz 1.
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| September in der Hauptstadt |
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| Und in der Region Hannover. Eindeutig Sommer. |
Platz 1: Juli
Der Juli hat keine Feiertage - aber die braucht er auch nicht. Er ist der Sommer in Höchstform, und feiert damit das Leben an sich. Die Sommerferien, in unserer Gesellschaft schon vom Kindesalter an eine Zeit der Freiheit (hoffentlich), sind im Juli noch nicht langweilig. Man hat noch nicht alle Eissorten durchprobiert. Eine Hitzewelle wird meist erst im August unaushaltbar. Für mich ist der Juli die beste Zeit des Jahres, ich radel in meinen Latschen, Shorts und Hawaiihemd zur Arbeit, weil der Sommerurlaub primär eine Geisteshaltung ist, keine Reise. Selbstbenannt nach einem prägenden Mann der römischen Geschichte, hat er die perfekte Welle besungen und ist für mich mit Lebensfreude, kühlen Getränken und Nächten am Lagerfeuer verbunden. Ich liebe den Juli.
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| Mir doch egal dass hier überall Mücken sind! Dieses Foto wurde im Juli aufgenommen. |

























