Dieses Winterwetter ist für mich auch Filmwetter. In den letzten drei Jahren entwickelte sich Fargo für mich zu einem dieser Winterfilme. Und hier erkläre ich euch warum.
Bei Jerry läuft's nicht. Sein reicher Schwiegervater nimmt den Autoverkäufer aus Minneapolis nicht ernst, sein Versuch, durch Abrechnungsbetrug zu Geld zu kommen geht nicht auf. Ein neuer Plan soll die Wende bringen: zwei Gauner sollen seine Frau kidnappen und Lösegeld von ihm verlangen, das sein Schwiegervater natürlich bereitstellen wird. Das meiste Lösegeld bekommt Jerry, die Ganoven bekommen 40.000 Dollar und ein neues Auto für die abgekartete Entführung. Ganz so einfach wie geplant läuft die Sache aber nicht, innerhalb weniger grauer Wintertage sind sieben Menschen in Minnesota und North Dakota tot.
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| Der schmierige Jerry hat einen Plan, der Kontakt mit der Realität nicht übersteht. |
Fargo ist eine Schwarze Komodie der Coen-Brüder aus dem Jahr 1996. Das Regie-Duo hat unter anderem auch die Klassiker The Big Lebowski und No Country for Old Men inszeniert. Die angenehm unkonventionellen Filme der beiden erzählen häufig von besonderen amerikanischen Menschenschlägen, mal mehr, mal weniger Ernst. Ich empfehle an dieser Stelle auch noch den neueren Inside Llewyn Davis. All diese Filme leben von ihren einprägsamen Charakteren und stellen einen angenehm zwanglosen Anspruch an ihre Zuschauer. Wer aufpasst hat mehr vom Film, versteht kleine Gags, Anspielungen und Motive - aber das schaffen die Filme, ohne prätentios zu wirken.
In angenehm kurzen 98 Minuten folgen wir einer tragischen, amüsanten Verbrecherjagd durch den winterlichen Mittleren Westen, einer Region, die im Kino nur selten zum Vorschein kommt. Es lohnt sich den Film auf Englisch zu schauen, denn die oft kuriosen Dialoge gibt's im deutsch und norwegisch gefärbten Dialekt der Region. Oh ja, darn tootin'!
Schauspielerisch gibt's an Fargo nix auszusetzen, besonders Frances McDormand überzeugt als die unkonventionelle Heldin Marge.Eine Polizistin, die im siebten Monat schwanger ist und dem Verbrechen durch einen kühlen Kopf und logischem Denken auf die Spur kommt - dafür gab's verdientermaßen einen Oscar. Mit Steve Buscemi und Peter Stormare sind zwei Charakterdarsteller am Start, welche das kursiose Verbrecherduo Carl und Gaear spielen. Aber eigentlich überzeugen alle Darsteller. Die Filme der Coens leben von ihren Charakteren, dementsprechend wird an schauspielerischer Qualität nicht gespart. Dadurch hat man Lust den einprägsamen Dialogen zu folgen, für welche Ethan und Joel Coen als Drehbuchautoren selbst verantwortlich sind.
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| Carl und Gaear bleiben hängen. |
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| Und Marge bleibt dran. |
Und wenn euch das noch nicht reicht: Fargo sieht dabei verdammt cool aus. Das winterliche Setting trägt viel zur Stimmung bei, ich habe das Gefühl erst dadurch kann man sich so richtig auf die Menschen des mittleren Westens und die Handlung einlassen, die unter schlechterer Handhabung eher zynisch und unglaubwürdig erscheinen würde. Die stilvollen und teilweise unkonventionellen Kamerafahrten zu Szenenbeginn sorgen dafür, das man dranbleibt.
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| Mein Lieblingsshot aus Fargo. Für Jerry gibt's bald keinen Ausweg mehr. |
Ich mag es wie simpel die Motive des Bösen in Fargo im Endeffekt sind. Sieben Menschen sterben aufgrund von Gier und Dummheit, es steckt kein Masterplan dahinter. Manchmal ist es (leider?) so einfach. Die Polizistin Marge denkt mit, es ist aber mehr als bloße Bauernschläue, auf die viele Provinzkrimis zurückgreifen. Gleichzeitig ist sie kein Sherlock Holmes, der Fall wird durch relativ gewöhnliche Polizeiarbeit gelöst. Aber darum geht es bei Fargo eigentlich gar nicht so sehr. Marge hat etwas, was viele Verbrecher, trotz mal mehr oder weniger erfolgreichen Plänen, nie haben werden. Sie hat genug.
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| Drama zwischen Marge und ihrem Mann Norm fehlt in Fargo. Aber das würde auch nicht zum Film passen. Sie geben einander Halt. |
Und wenn ihr jetzt nicht genug habt, könnt ihr euch bei Netflix Fargo anschauen, am besten so lange es noch Winter ist, ich glaube im Sommer wirkt der Film nicht so richtig. Aber kommt schon, 98 Minuten werdet ihr bis Ende Februar bestimmt nochmal haben.





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